Der Ledersprung in Leoben

Der Ledersprung ist eine Aufnahmezeremonie oder Ehrung für die Freunde und Mitglieder der Montanisten-Familie. Der Brauch des Ledersprungs lässt sich in die Reihe der bei den mittelalterlichen Zünften üblichen Aufnahmeriten einordnen. Wohl die größte Veranstaltung dieser Art findet alljährlich in Leoben statt, ein alter Brauch, um junge Studierende in den Stand des Bergmannes zu erheben. Der jährlich im November stattfindende Kommers begeistert zahlreiche Besucher. Am Vormittag des Ledersprunges findet die feierliche Matrikelscheinübergabe statt, bei der der Rektor den Erstsemestrigen eine Urkunde übergibt, welche sie als Mitglied der Universität ausweist. Auch diesen Brauch findet man nur in Leoben. Nach Beantwortung von vier Fragen leert der Anwärter ein Glas Bier und springt von einem Bierfass herab über ein Arschleder, das von zwei Bergleuten (ältester Arbeiter und ältester Bergingenieur) gehalten wird. Das Bergleder ist als Teil der Tracht zum Symbol der Bergmannsehre geworden. Das Arschleder zählte zur Kleidung des Bergmannes. Es diente als Schutz vor dem Durchwetzen des Hosenbodens bei der Arbeit sowie zum persönlichen Schutz gegen Bodennässe beim Sitzen. Außerdem hatte es eine Schutzfunktion insbesondere beim Einfahren in tonnlägige Schächte. Das Arschleder ist ein halbrundes Lederstück und wurde am Leibriemen getragen. Wer heute über das Leder springt, ob Bergmann, Hüttenmann oder wie immer die Studienrichtungen in Leoben heißen, wird „Ehrenbergmann”. Mit diesem Titel werden auch Persönlichkeiten ausgezeichnet, die nicht direkt zum Montanwesen gehören, sich darum aber verdient gemacht haben, verbunden mit dem Recht, den Bergkittel zu tragen. Es ist gesichert, dass der Brauch des Ledersprungs von der Bergakademie Schemnitz, später Selmecbanya, heute Banská Štiavnica in der Slowakei, nach der Revolution von 1848 durch den Auszug der Studenten deutscher Sprache nach Leoben kam, damit wohl auch an anderen Bergschulen bekannt wurde und in der kaiserlich-königlichen Montanlehranstalt zu Leoben unter dem Direktor Peter von Tunner besonders gepflegt wurde.


Univ.-Prof. Dr. phil. Dr. mont. Dipl.-Ing. Gerhard Sperl, Institut für Historische Werkstoffe, Präsident des Montanhistorischen Vereines Österreich


(siehe auch Ledersprung Wikipedia)


Der “Ledersprung” wurde mit anderen bergmännischen Sitten und Gebräuchen von den seit 1848/49 von der Bergakademie Schemnitz an die damals in Leoben errichtete Montanlehranstalt abgewanderten Studenten verpflanzt. Der Brauch, der heute noch in Österreich, Jugoslawien, in der Tschechoslowakei und in Polen (Krakau) gepflegt wird, ja jüngstens von sudetendeutschen Bergleuten sogar im Ruhrgebiet eingeführt wurde, stellt eine alte Bergmannssitte, nämlich einen Aufnahme-Ritus, dar. Wahrscheinlich war dieser Brauch schon im 16. Jahrhundert beim Eintritt von Bergleuten in die Bergmannsbruderschaft üblich. In Leoben nahmen in den Siebzigerjahren des vorigen Jahrhunderts nach Schemnitzer Vorbild alle Montanstudenten ohne Unterschied der Nationalität daran teil. Jeder neuhinzugekommene Angehörige der Hochschule, ohne Unterschied, ob er neuinskribierter Hörer oder neuberufener Dozent oder Professor war, mußte über das Arschleder eines Bergmannes springen. Dieses Leder wurde früher stets zur Bergmannstracht getragen. Aus einem Kalbsfell halbrund geschnitten, gewährte es in der Grube Schutz gegen Feuchtigkeit und Kälte. Heute findet der “Ledersprung” jeweils am Abend der Rektorsinauguration in feierlicher Form statt. Im Bergkittel springen die neueingetretenen Hörer und akademischen Lehrer nach Beantwortung mehrerer Fragen, die Beruf, Wahlspruch und Heimatland betreffen, von einem Bierfaß über das Leder, das vom Rektor und vom ältesten anwesenden Bergingenieur gehalten wird. Nach der Aufforderung “So spring in Deinen Stand und halt’ ihn stets in Ehren” leert der Lederspringer ein Glas Bier, das er in der rechten Hand hält, und springt.


Heinrich Kunnert

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