Kösener Senioren-Convents-Verband

Der Kösener Senioren-Convents-Verband (KSCV) ist ein 1848 gegründeter Dachverband der ältesten Studentenverbindungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Corps wurzeln im Deutschen Idealismus. Einige sind älter als 200 Jahre; zwei stammen aus dem 18. Jahrhundert.

 

Im Sommersemester 2010 sind 102 Kösener Corps an vierzig Hochschulen akkreditiert. Rund 2.000 Studenten und mehr als 13.000 berufstätige Akademiker von allen Kontinenten sind „Kösener Corpsstudenten“.

Grundsätze

 

Im Waffenstudententum verwurzelt, pflegen die Kösener und Weinheimer Corps die Tradition des studentischen Fechtens mit scharfen Waffen, die Mensur. Ihre Farben sind das wichtigste Identitätsmerkmal.

Die Corps und der Verband beanspruchen kein allgemeinpolitisches Mandat. Von jeher stehen sie Studenten aller Völker, Konfessionen und Nationalitäten offen. Der Kösener Senioren-Convents-Verband ist als nicht eingetragener Verein organisiert und hat seinen Sitz mit Geschäftsstelle in Bad Kösen.

Im Gegensatz zu den anderen Korporationsverbänden besteht der KSCV nicht aus Einzelverbindungen, sondern aus den örtlichen Zusammenschlüssen der Corps (Subsidiarität), d. h. aus den Senioren-Conventen (SC), die von den Corpsburschen-Conventen (CC) der einzelnen Corps gebildet werden. So wird auf dem Kösener Congress in der Regel nach SC, nur ausnahmsweise nach CC abgestimmt.

Die allermeisten Corps sind sog. Waffencorps, die Mehrbändermänner mit anderen Corps haben. Dagegen bleiben die wenigen verbliebenen Lebenscorps (Onoldia, Arminia und Bavaria München) unter sich. Ihre Corpsbrüder können nicht in einem anderen Corps aktiv werden und Angehörige anderer Corps können nicht aufgenommen werden.

Als einziger Korporationsverband veröffentlicht der KSCV in den Kösener Corpslisten von jeher seine Mitgliederlisten.

Die Corps stehen zur Akademischen Freiheit. Der Corpsstudent Hirsch (Rhenania Tübingen) hat dazu gesagt:

 

„Kein Losungswort ist seit dem Jahre 1500 so viel mißbraucht worden wie das Wort „Freiheit“: in der Zeit der Reformation, der Französischen Revolution, des Liberalismus Europas und Amerikas, in den Schlagzeilen der Sowjetzone. Es gab dem natürlichen Bedürfnis des Menschen Ausdruck, in seiner Existenz als Individuum zu tun, was ihm gefällt. Es war das Schlagwort des Kampfes von Individuen gegen eine bindende, einengende Gruppe, gegen eine Familie, einen Stand oder im Kampf einer sozialen Schicht gegen eine zwingende höhere Gemeinschaft. Aber es wurde seltener deutlich – wohl allerdings bei Kant, Fichte, Chamberlain, Jaspers -, daß es keine absolute Freiheit gibt, sondern nur ein Gleichgewicht zwischen Freiheit und Bindung. Für das Leben eines Individuums ist die Freiheit der Bewegung ebenso notwendig wie die Bindung an ein Elternhaus. Die Freiheit der persönlichen Schöpfung im Denken, Fühlen und Gestalten ist ebenso wichtig wie die Bindung dieser Vorgänge an eine Gemeinschaft, die mitwirkt und durch ihren Widerhall mitgestaltet.
Von diesem Gleichgewicht, von dieser lebensnotwendigen Polarität müssen wir ausgehen, der Polarität zwischen Bewegungsfreiheit und Ortsgebundenheit, Denkfreiheit und Denkausrichtung durch die Gemeinschaft, zwischen Individuum und Genossenschaft, zwischen schöpferischer Freiheit des Gestaltens und den Formen der Tradition, zwischen der Willkür des Handelns der Individuen oder der Gruppen und dem Widerhall, dem Miterleben durch die höhere Gemeinschaft. Die Existenz des Menschen umfaßt beide Pole; sein Leben entzündet sich durch die Energien, die von dem einen Pol zum anderen strömen: Freiheit und Gebundenheit.“

Gottwalt Christian Hirsch

 

Die Statuten und Satzungen der Kösener Verbände schließen ein allgemeinpolitisches (kein hochschulpolitisches) Mandat aus. Der KSCV, die Seniorenconvente und die Einzelcorps äußern sich deshalb nicht zur Tagespolitik und betreiben eine zurückhaltende Öffentlichkeitsarbeit.

KSCV und VAC stützen sich auf Kommissionen für Statuten, Geschichte, Verbände, WSC-Kartell und Fechten.

Friedrich v. Klinggräff
Friedrich v. Klinggräff

Gründung

 

Beschleunigt durch den Progress (Studentenverbindung) und die Gründung von anderen studentischen Zusammenschlüssen, wuchs an den Universitäten des Deutschen Bundes das Bedürfnis nach einem Austausch über die Idee des „Corpsstudententums“. Zum Hintergrund gehörten die Märzrevolution und das zweite Wartburgfest 1848. Dort standen die Corps einer „linken“, republikanisch-nationalen Mehrheit gegenüber, so dass die Notwendigkeit einer gemeinsamen Vertretung erkannt wurde.

 

So trafen sich am 15. Juli 1848 auf Veranlassung von Friedrich von Klinggräff elf deutsche SC zu einem gemeinsamen Congress in Jena. Dieses Treffen gilt als die Gründung des Kösener Senioren-Convents-Verbands (KSCV). Bald darauf wurde Kösen mit dem Mutigen Ritter und der Rudelsburg zum Tagungsort gewählt. Regelmäßige jährliche Treffen fanden ab 1855 statt.

Weinheimer-Senioren-Convent

Der Weinheimer Senioren-Convent (WSC) ist der Dachverband von Corps an deutschen (technischen) Hochschulen. Derzeit gehören dem WSC 60 Corps an den Hochschulorten Aachen, Bayreuth, Berlin, Bielefeld, Bochum, Braunschweig, Clausthal, Darmstadt, Dresden, Freiberg, Göttingen, Greifswald, Hamburg, Hannover, Heidelberg, Kaiserslautern, Karlsruhe, Kiel, Köln, Magdeburg, Mannheim, München und Stuttgart an.

 

Die Corps im WSC sind farbentragende, pflichtschlagende Studentenverbindungen. Der WSC und seine Mitgliedscorps vertreten das Toleranzprinzip, d.h., die Mitgliedschaft ist weder an eine bestimmte Nationalität oder Hautfarbe noch an eine bestimmte Konfession gebunden.

Im Jahre 2009 sind 60 aktive Corps an 23 Hochschulorten in Deutschland Mitglied im WSC. Mehr als 1.200 Studenten und rund 8.000 berufstätige Akademiker bezeichnen sich als "Weinheimer Corpsstudenten".

Corps Erz

Am Glacis 15

8700 Leoben

 

Tel: 03842/ 42 989

 

Web: www.corpserz.at

E-mail: cc@corpserz.at